Vorschlag an die Laieninitiative: Besetzt den Stephansdom!

Der besetzte Stephansdom (Fotomontage)

Innerhalb der Katholischen Kirche in Österreich gibt es eine durchaus beachtliche Gruppe von progressiven Gläubigen, die für Reformen in der Kirche eintreten. Sie haben sich in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder für ihre Anliegen eingesetzt, angefangen beim Kirchenvolks-Begehren, über die Plattform Wir sind Kirche bis zur aktuellen Laieninitiative. All diese Vorhaben waren bislang nur mäßig erfolgreich, da der Klerus bisher sämtliche Reformwünsche ignorierte.

Die Plattform “Wir sind Kirche”

Die Reformbewegung nahm 1995 ihren Anfang. Damals wurde als Reaktion auf den Fall Groër das Kirchenvolks-Begehren durchgeführt, welches von 1,4 Millionen Menschen unterzeichnet wurde. Die Initiatoren gründeten daraufhin die Plattform Wir sind Kirche, welche sich seitdem immer wieder in Kirchenpolitischen Fragen zu Wort meldet und heute schon weltweite Partnerorganisationen hat. Ihre Forderungen sind die folgenden:

  1. Aufbau einer geschwisterlichen Kirche
  2. Volle Gleichberechtigung der Fauen
  3. Freie Wahl zwischen zölibaterer und nicht zölibaterer Lebensform
  4. Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen
  5. Frohbotschaft statt Drohbotschaft
    (Quelle)

Das sind alles sympathische Forderungen, denen ich mich durchaus anschließen konnte, als ich noch Angehöriger der katholischen Kirche war. Allerdings mahlen die Mühlen der Kirche langsam, wenn sie nicht überhaupt stillstehen. Österreichs Bischöfe reagierten anfangs gereizt bis ablehnend auf das Kirchenvolks-Begehren und die Kirchenführung im Vatikan hat sich diese Forderungen wohl gar nie zu Herzen genommen und um Reformen dieser Kategorie bis heute einen weiten Bogen gemacht. Von Erfolgen der weltweiten “Wir sind Kirche”-Bewegung kann wohl kaum die Rede sein. Darüber sind sich wohl auch die Reformer im klaren, deshalb wird auf der Homepage von “Wir sind Kirche” Österreich lediglich über "Hoffnungszeichen" berichtet.

Die Laieninitiative

In letzter Zeit sorgte die Kirche wieder mal in erster Linie mit Skandalen für Schlagzeilen. Ausserdem ist der Personalmangel der Kirche in Österreich offenbar schon etwas prekär, was ich als konsequenter nicht-kirchengänger weder bestätigen noch dementieren kann. In dieser Notlage trat im Jänner 2009 die Laieninitiative in Erscheinung. Diese Initiative startete eine Online-Petition mit folgenden Forderungen:

  1. Die wegen einer Eheschließung aus dem Amt entfernten Priester möglichst bald zu reaktivieren
  2. den Pflichtzölibat der Priester abzuschaffen,
  3. die Weihe von Frauen zu Diakoninnen zu ermöglichen sowie
  4. vorzusehen, dass die Bischöfe geeignete Personen („viri probati“ – besonders Diakone, aber auch andere) durch Weihe und Beauftragung zur Durchführung sakramentaler Handlungen (Leitung der Eucharistiefeier, Spenden der Krankensalbung usw.) ermächtigen.
    (Quelle)

Inzwischen haben schon über 12.000 Menschen dieses Memorandum unterzeichnet. Es wurde dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn überreicht, der es persönlich an den Vatikan weitergeleitet hat. Danach ist nichts mehr passiert. Na ja, was anderes war von der Kirche eh nicht zu erwarten. Doch was kommt nun?

Den Reformern reichts

Die Laieninitiative und die anderen Reformorganisationen blieben nicht untätig. Wie es aussieht, wollen sie in Anbetracht der Sturheit der Kirchenoberhäupter von nun an andere Seiten aufziehen:

Kardinal Schönborn hat unsere Anliegen persönlich an Rom weitergegeben. Mit Ausnahme einiger kritischer Anmerkungen von Bischof Kapellari geschah aber nichts – entsprechend der bekannten Arroganz der Hierarchie.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die heutige Kirchenordnung steht im Widerspruch zum Nachfolgewillen Jesu, zu dem von Gott in die Herzen der Menschen gelegten Naturrecht sowie den daraus abgeleiteten Grund- und Menschenrechten.

Im nächsten Schritt werden wir zu einem breiten und organisierten Ungehorsam aus der Verantwortung für den Glauben und aus unserem Gewissen aufrufen. Die kirchliche “Obrigkeit” wird dann umdenken müssen, wenn sie merkt, dass ihr immer weniger Menschen zu folgen bereit sind.

Diesen Weg zu beschreiten, wird nicht leicht sein, doch es erscheint angesichts der Uneinsichtigkeit des Vatikans nötig.
(Quelle)

Die Reformkatholiken wollen nun offenbar so richtig auf den Putz hauen und den Bischöfen Dampf unterm Hintern machen. Was sie nun konkret vorhaben, darüber hüllen sie sich allerdings noch in Schweigen. Ich hätte da aber einmal einen Vorschlag:

Besetzt den Stephansdom!

Nehmt euch ein Beispiel an den Studenten, die in den letzten Wochen das Audimax der Universität Wien besetzten, und startet spontane Gotteshäuser-Besetzungen. Fangt am besten mit dem wohl bedeutendsten Gotteshaus Österreichs an, dem Wiener Stephansdom. Hängt Banner aus (siehe Fotomontage), organisiert Arbeitsgruppen, gestaltet ein attraktives Rahmenprogramm (alternative Messen, Öffentliche Priesterweihen von Frauen und verheirateten Männern, Homosexuellenhochzeiten, Konzerte) und twittert, bloggt und networkt darüber, was das Zeug hält. Sobald der Stephansdom von euch besetzt ist, seid ihr in allen Schlagzeilen. Wenn das tatsächlich zustande kommt, dann würde ich fast schon wieder einen Kirchen-Wiedereintritt überlegen, allerdings nur, wenn die Frage der Integration von Ungläubigen in die katholische Kirche in einer eigenen Arbeitsgruppe behandelt wird.

Die Wahl des richtigen Zeitpunktes ist noch zu überlegen. Jetzt zur Weihnachtszeit wird sich wohl kaum jemand zur Teilnahme an einer Besetzung finden lassen. Zur Faschingzeit könnte eine Besetzungsaktion als Faschingsschmäh abgetan werden. DIe Fastenzeit wär dafür aber ganz passend. Da könnte man auch den einen oder anderen Hungerstreik einplanen, wenns auf hart kommt. Wie auch immer, sobald ihr den Stephansdom besetzt hält, wird die Kirchenführung mit ziemlicher Sicherheit zur Einsicht gelangen. Wenn nicht, dann ist bei denen wohl endgültig Hopfen und Malz verloren.

22. December 2009, 15:19 in

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