Wieder was dazugelernt

Habe ich in einem meiner letzten Beiträge wirklich geschrieben, dass ich Ulrich Habsburg-Lothringen unter allen „alternativen“ Präsidentschaftskandidaten am ehesten staatsmännische Qualitäten zutraue? Ja, das habe ich. Verdammt, warum bloß?

Als ich vor ein paar Wochen diesen Artikel schrieb, wusste ich im Grunde genommen überhaupt nichts über ihn. Wahrscheinlich bin ich einfach in Anbetracht seines großen Namens mit historischer Bedeutung, Habsburg-Lothringen, schwach geworden. Vergangene Nacht habe ich mir aber Club 2 angesehen, wo auch Herr Habsburg zu Gast war. Dadurch habe ich ein bisschen eine Ahnung bekommen, wie dieser Herr tickt. Nun muss ich zugeben, dass ich damals einen Blödsinn geschrieben habe und Ulrich Habsburg-Lothringen überhaupt keine staatsmännischen Qualitäten hat.

Herr Habsburg gestand in der Sendung offen, dass er am 25. April nicht zur Bundespräsidentenwahl gehen werde, weil für ihn keiner der drei verbliebenen Kandidaten wählbar sei. Sein Argument: Er sei zwar katholisch, aber einen Erzkatholiken wie Rudolf Gehring will er niocht wählen, Barbara Rosenkranz auch nicht, und einen Agnostiker wie den Heinz Fischer will er schon gar nicht wählen. Dieses Ausschlußkriterium, das Herr Habsburg hier anwendet, nämlich den Kandidaten schnell einmal nach ihrer religiöse Einstellung oder Weltanschauung ein Etikett zu verpassen und danach zu selektieren, erscheint mir sehr plump und oberflächlich.

Im Laufe dieser sehr interessanten und sachlichen Club-2 Diskussion, die das Thema “Weißwählen – Demokratie in der Krise?” kam ich ausserdem noch zu eine weiteren Einsicht. Bisher war ich ja der Meinung, dass “Weißwählen”, also ungültig wählen, besser ist als gar nicht zu einer Wahl zu gehen, weil man damit noch ein Zeichen setzen kann. Der Politologe Peter Filzmaier hat überzeugend argumentiert, dass man aus ungültigen Stimmen eigentlich gar keine Botschaft der Wähler herauslesen kann, und dass die Zahl der Weißwähler ohnehin verschwindend gering ist im Gegensatz zur Zahl der Nichtwähler. Nach diesen Ausführungen bin ich zwar nach wie vor der der Meinung, dass Weißwählen besser ist als Nichtwählen, allerdings nur mehr aus dem Grund, weil man damit sein schlechtes Gewissen befriedigen kann.

Nun hab ich also in einer Fernsehsendung wieder mal zwei Dinge dazugelernt. Fernsehen bildet also doch, leider aber meist nur in den Sendungen, die spät in der Nacht laufen.

Eine Kurzzusammenfassung dieser Club 2-Sendung gibt es übrigens im Club-2-Blog

17. April 2010, 18:19 in

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