Die Konflikte um ein Gebetshaus in Donawitz

Seit einigen Wochen sorgen in Donawitz Pläne eines islamischen Vereines zur Übersiedelung ihres Vereinslokales und Gebetshauses für Diskussionen. Das freut vor allem ein paar Gemeindepolitiker, die daraus politisches Kapital geschlagen haben, was aber leider zur Folge hat, dass die Debatte sehr emotional, aber kaum sachlich geführt wird.

Der „Islamische Verein des Friedens und der Barmherzigkeit“ betreibt seit Jahren ein Gebetshaus in Leoben im Stadtteil Donawitz. Dieses wird langsam zu klein, deshalb möchte der Verein übersiedeln. Ein Grundstück ist bereits gekauft, die Baupläne für das neue Haus wurden bei der städtischen Baurechtsabteilung eingereicht. Dieser Neubau ist nicht als Moschee mit Minarett, sondern als ein gewöhnliches Haus geplant.

Politisches Hickhack

Dieses Vorhaben würde wohl kaum Aufsehen erregen, zumal es bereits drei islamische Gebetsräume in Leoben gibt, von denen man in der Öffentlichkeit kaum etwas mitbekommt. Allerdings ist zu dieser Zeit gerade Wahlkampf für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen. Da kommt so ein Thema, mit dem man die Leute aufstacheln kann, natürlich gelegen. Die üblichen Verdächtigen sind gleich zur Stelle, um ihren Senf dazu zu geben. Ein anderer Akteur nimmt sich ebenfalls dieses Themas an, um seiner neugegründeten Bürgerliste ein wenig Bedeutung zu geben. Aber auch die Jungpolitiker einer größeren Partei springen teilweise auf den Zug auf, zumindest um der Mehrheitspartei eines auswischen.

Inzwischen machen sich FPÖ und Bürgerliste Walter Reiter Konkurrenz im Buhlen um die Gunst der Donawitzer, die sich von diesen beiden Listen aufstacheln haben lassen. Die regierende SPÖ und der islamische Verein versuchen, mit einer Informationsveranstaltung die Wogen zu glätten. Der letzte Stand der Dinge ist nun, dass zwei Facebookgruppen gegründet wurden, eine gegen und eine für das Gebetshaus.

Geistreiche Wortmeldungen in den Facebookgruppen

In der Facebookgruppe gegen das Gebetshaus gibt es hingegen Bedenken verschiedenster Art. Zunächst einmal gibt es die Befürchtungen der Anrainer, die von überfüllten Parkplätzen bis zur Lärmbelästigung reichen. Das sollten lösbare Probleme sein, die in erster Linie in der Bauverhandlung zu bereden sind. Allerdings, liegt der Verdacht nahe, dass diese Punkte nur Ausreden sind, und die eigentlichen Gründe ganz woanders liegen.

Ein paar andere Gruppenmitglieder werden da schon konkreter. Es wird zum Beispiel die Ungerechtigkeit angesprochen, dass es in vielen islamischen Ländern für die christliche Minderheit schwierig bis unmöglich ist, eine Kirche zu bauen. Das mag stimmen, dieses Problem wird aber sicher nicht dadurch gelöst, dass wir uns in Minderheitenrechten auf das Niveau von Saudi-Arabien begeben.

Eine besonders geistreiche Wortmeldung besagt, dass die Muslime auch daheim beten können, sodass dieses Gebetshaus eigentlich nur eine Platzverschwendung sei. Na ja, mit diesem Argument könnte man aber auch die Stadtpfarrkirche St. Xaver abreißen, und das wollen wir doch auch nicht, oder?

Dann kommt das Argument, dass die Muslime viel mehr Kinder haben als wir, wodurch der Islam in ein paar Jahrzehnten die Mehrheitsreligion ist. Diese auf den ersten Blick schlüssigen Berechnungen muss man durch ein paar Faktoren relativieren. Erstens gibt es Studien, die belegen, dass sich die Geburtenzahlen unter den Nachkommen türkischstämmiger Migranten langsam an unsere Geburtenzahlen angleichen. Zweitens sollte man hinterfragen, ob Kinder muslimischer Eltern automatisch zu gläubigen Muslimen werden. Schließlich gibt es ja auch säkular eingestellte Muslime und Ex-Muslime. Und drittens ändert ein Gebetshausverbot daran gar nichts.

Und schließlich beteuert einer der Gegner, dass er eh nichts gegen Andersgläubige habe, aber „Jeder soll seinen glauben in seinem Land ausüben und nicht in Ländern wo ein anderer glauben Herrscht“. Ja hat er denn noch nicht mitbekommen, dass die Zeiten, als der Landesfürst den religiösen Glauben seines Herrschaftsbereiches bestimmte, längst vorbei sind?

In Summe muss man sagen, dass hier viele Faktoren zusammenkommen. Teilweise gibt es begründete und nachvollziehbare Vorbehalte gegen den Islam. Teilweise gibt es Konflikte im Zusammenleben zwischen Einheimischen und Migranten, die sich symbolisch in der Ablehung eines simplen Gebetshauses niederschlagen. Teilweise gibt es fremdenfeindliche Ressentiments, die bedient und gepflegt werden. Zu sachlichen Argumenten kamen die Gebetshausgegner in dieser äußerst emotionalen Debatte bisher nicht wirklich.

Auf der anderen Seite kann ich mich auch der Pro-Gebetshaus-Gruppe nicht zu hundert Prozent anschließen. Erstens bin ich nicht dezitiert für ein Gebetshaus, dazu komme ich noch unten. Zweitens treten die mir ein wenig zu naiv auf. Wenn der Gruppengründer behauptet, dass der Name des „Islamischen Vereins des Friedens und der Barmherzigkeit“ alles sagt, dann muss ich widersprechen. Dieser Name sagt an sich noch wenig aus. Die Frage ist, was für ein Frieden gemeint ist. Die Idee des „Friedens durch Unterwerfung unter Allah“ (Quelle: http://www.way-to-allah.com/islam_zum_kennenlernen/was_ist_islam.html) finde ich zum Beispiel nicht so prickelnd.

Meine Einschätzung


Eine Versachlichung dieser bisher emotional geführten Debatte wäre dringend angebracht. Ich persönlich bin nicht dezitiert für, aber auch nicht gegen dieses Gebetshaus Mir ist das eigentlich ziemlich egal. Was ich vom Beten so halte, wird durch das linke Bild schön auf dem Punkt gebracht. Aber es gibt Menschen, die so ein Gebetshaus haben möchten, und die haben sich selbst darum gekümmert dass sie so ein Haus bekommen. Daher betrachte ich diese Sache als interne Angelegenheit eines privaten Vereines, bei der rechtlich alles einwandfrei läuft. Insofern sehe ich keinen Grund, dieses Haus zu verbieten.

Die oben genannten Bedenken der Anrainer wie Lärmbelästigung oder Parkplatzprobleme sind Probleme, die genauso bei anderen Vereinslokalen oder Beisln auftreten. Aber dafür gibt es ja die Bauverhandlung.

Da bleiben nur noch die Bedenken, dass in Gebetshäusern sogenannte „Hasspredigern“ mit Verfassungs- oder Menschenrechtsfeindlichen Botschaften am Werk sein könnten. Das ist aber ein Problem, das nicht auf Gebetshäuser beschränkt ist. Reaktionäre, fundamentalistische Ansichten werden nämlich in erster Linie, so wie alles in heutiger Zeit, über das Internet verbreitet. Als Beispiel dafür sei einmal mehr die Webseite von Pierre Vogel, meinem weltanschaulichen Antipoden genannt, http://www.einladungzumparadies.de. Ein Gebetshaus hätte da immerhin den Vorteil, dass es eventuell einen Ort bilden könnte, bei dem sich Menschen mit solchen Ansichten versammeln, was den Ermittlern des Verfassungsschutzes im Falle des Falles die Arbeit erleichtern könnte.

Bildquellen: Koran, Prayer

18. May 2010, 14:29 in

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