Wieder mal die Minarette – Schakfehs Vision

Moschee in Wien-Floridsdorf

Wieder mal sind Minarette das Thema der politischen Debatte. Nicht zuletzt deswegen, weil zur Zeit auch Wahlkampf für die bevorstehenden Landtagswahlen in Wien und bei mir daheim in der Steiermark ist. Maßgeblichen Anteil an dieser Debatte hatte aber Anas Schakfeh, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs, der mit seiner Vision einer Moschee mit Minarett in jeder Landeshauptstadt die aktuellen Diskussionen entfachte.

Wenn man den wahlkampfbedingten politischen Hickhack einmal beiseite lässt, gibt es dennoch einige kritische Punkte in dieser Angelegenheit anzumerken. Zum Beispiel wäre die Position, die Schakfeh inne hat, zu hinterfragen. Anas Schakfeh ist der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Diese Glaubensgemeinschaft hat in der österreichischen Religionsgesetzgebung (über deren Mängel ich schon einmal geschrieben habe) den selben Status wie die katholische Kirche. Herr Schakfeh ist somit auf politischer Ebene der offizielle Vertreter aller Muslime in Österreich. In der Praxis wird er diesem Status allerdings keinesfalls gerecht. Nur wenige Muslime in Österreich sind auch tatsächlich Mitglied der Glaubensgemeinschaft. Viele fühlen sich nicht von ihr vertreten.
So gibt es zum Beispiel eine „Initiative Liberaler Muslime in Österreich“, welche in Abgrenzung zur Glaubensgemeinschaft gegründet wurde. In einer Presseaussendung auf ihrer Homepage hat diese Intitiative die Aussagen Schakfehs kritisiert. Leider haben das die Medien weitestgehend ignoriert.
Ein weiterer bekannter Kritiker Schakfehs ist der Grüne Bundesrat Efghani Dönmez. Er ist gebürtiger Türke und sieht sich selbst als alevitischstämmiger Moslem. Er kritisiert unter anderem, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft die Aleviten ausschließt. Deswegen gibt es auch Bestrebungen der Aleviten zur Anerkennung als eigene Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Einen anderen, sehr klugen Kritikpunkt hat der Journalist Hans Rauscher im Standard angesprochen. Er hinterfragt nicht den Moscheebau an sich, sondern den historisierenden Baustil, in dem heutige Moscheen gebaut werden

Außerdem gibt es in meinen Augen einen naheliegenden Grund, wieso hierzulande beim Thema Moscheen und Minarette immer wieder allergisch reagiert wird: Die Islamische Religion hat einfach einen schlechten Ruf. Das hat unterschiedliche Gründe, zum Beispiel die fehlende Aufklärung, fanatische Prediger, die mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik, restriktive Moralvorstellungen, fundamentalistische Auslegungen des Koran, die Burka, nur um einige zu nennen.

Herr Schakfeh meinte im APA-Interview:

Schakfeh ist davon überzeugt, dass auf lange Sicht zumindest in jeder Landeshauptstadt ein adäquater Gebetsraum – also auch mit Minarett – stehen wird. “Denn auf lange Sicht kann man Menschen nicht verbieten, ihre wirkliche religiöse Freiheit, die verfassungsgeschützt ist, auszuüben.” So hätten etwa evangelische Christen noch vor rund 150 Jahren keine Kirchen mit Türmen errichten dürfen, nun störe das niemanden mehr. “Deshalb bin ich für die Zukunft optimistisch, dass es irgendwann zu einer Normalität kommt”, so Schakfeh.

Quelle: http://www.derislam.at/

Nun, wenn es Muslime schaffen, zu einer Religiosität zu finden, in denen diese negativen Aspekte nicht mehr vorkommen, dann dürften sie auch keine Probleme mehr damit haben, eigene Moscheen zu betreiben (Ich behaupte, dass das keine ganz so realitätsferne Vision ist, schließlich gibt es Menschen wie Necla Kelek, Seyran Ates oder Hamed Abdel-Samad). Dann kann auch Herrn Schakfehs Vision Realität werden. Fraglich ist freilich, ob die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich an so einer Entwicklung überhaupt Interesse hat und etwas beitragen würde. Und natürlich, ob dann überhaupt noch das Bedürfnis nach einem Minarett besteht.

3. September 2010, 01:16 in

Bisher keine Kommentare.

Ihr Kommentar: