Die Leiche des Herrn Flick

Die Gruft von Friedrich Karl Flick am Veldener Friedhof.

Ein etwas makaberer Kriminalfall hat dieser Tage ein glückliches Ende gefunden: Der Sarg mit den sterblichen Überresten des deutsch-österreichischen Milliardärs Friedrich Karl Flick, der vor einem Jahr aus der Gruft entwendet wurde, ist dieser Tage wieder aufgetaucht. Der Sarg wurde den Angehörigen übergeben und ein zweites mal beigesetzt.

Ich muss gestehen, mich verleitet dieser Fall um die gestohlene Leiche von Herrn Flick zu einer äußerst zynischen und wohl auch geschmack- und pietätlosen Bemerkung: Irgendwie ist der gute Herr Flick bzw. seine Hinterbliebenen schon auch ein bisserl selber schuld. Er hätte nur aus der Geschichte lernen müssen: Schon im alten Ägypten wurden die wertvollen und aufwändigen Pharaonengräber ohne Scham geplündert. Das hätte er schon bedenken können, als er sich seine protzige Gruft für seine sterblichen Überreste auf dem Veldener Friedhof aufbaute.

Zugegeben, eine sehr zynische Argumentation, der ich eigentlich nicht folgen sollte. Sie ist im Endeffekt nichts anderes als eine Täter-Opfer-Umkehr. Das wäre vergleichbar mit der Aussage eines gewissen Scheich Taj el-Din Hamid al-Hilali, der Mufti von Australien ist und in einer Predigt behauptete, dass unverschleierte Frauen selbst schuld sind, wenn sie vergewaltigt werden. Auf so ein Niveau möchte ich mich natürlich nicht herunterlassen. Natürlich sind die Täter jene, die in die Gruft eingebrochen sind und den Sarg mit den Gebeinen entwendet haben. Sie gehören strafrechtlich angeklagt, wegen Diebstahl und Sachbeschädigung. Nicht aber wegen Störung der Totenruhe, denn dieses Delikt ist bereits verjährt.

Nein, ich werde da Herrn Flick keine Mitschuld einreden. Ich möchte ihm seine letzte Ruhestätte nicht schlecht reden. Aber ich habe mir diesen Fall einmal zum Anlass genommen, über meine eigene letzte Ruhestätte nachzudenken.
Karl Friedrich Flick ließ seinen Leichnam ja in einem zugelöteten Sarg verwahren und in einem Betonmausoleum beisetzen, komplett isoliert von Würmern und Maden, die dieses wertvolle organische Material aufarbeiten würden. Das widerspricht meinen Vorstellungen. Meine letzten sterblichen Überreste sollten möglichst effizient in den natürlichen ökologischen Kreislauf zurückgeführt werden, sprich, möglichst schnell verrotten.
Zum einen, weil ich es vermeiden möchte, dass meine Leiche irgendwann mal gestohlen wird. Mir wär das zwar dann egal, da ich zu diesem Zeitpunkt eh schon, je nach Glaubensrichtung, im Himmel, in der Hölle, im Reich des unauslöschlichen Biervulkans oder schlicht und einfach nicht mehr existent wäre, aber meinen Hinterbliebenen möchte ich so einen Stress schon ersparen.
Und zum anderen, weil ich der Meinung bin, dass eine Leiche ihren Zweck durch organisches Recycling bestens erfüllt.

Joseph II. Ich habe mich mal schlau gemacht, wie man sich zu diesem Zweck am Besten eingraben lässt. Joseph II., der staubtrockene Pragmatiker unter den Habsburgern, ordnete 1784 an, Leichen in einem speziellem Holzsarg mit aufklappbaren Boden zum Grab zu führen, diesen Sarg über dem Grab zu platzieren, den Boden aufklappen und die Leiche ins Grab plumpsen zu lassen. Dadurch wären die Friedhofskapazitäten besser genutzt und Holz eingespart worden. Ich muss zugeben, so eine josephinische Bestattung käme meinen Vorstellungen exakt entgegen. Allerdings wurde diese Verordnung von Joseph II. schon ein halbes Jahr später wieder zurückgenommen, und bis heute müssen Leichen in Österreich in Särgen bestattet werden.
Aber es gibt noch andere Möglichkeiten: Eine Naturbestattung wär ja auch nicht so blöd. Da wird der Leichnam verbrannt, die Asche in eine biologisch abbaubare Urne gefüllt und diese dann im Wurzelwerk eines Baumes oder in einer Wiese vergraben. Mir sagt diese Bestattungsvariante derzeit am Meisten zu.

Bis die Frage meiner Bestattung einmal aktuell wird, vergehen aber hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte. Aber ich verdränge den Tod (entgegen eines gängigen Vorurteils gegenüber Atheisten) nicht, sondern mache mir meine Gedanken darüber.

5. December 2009, 17:07 in

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